Zwischen Befund und Bauchgefühl
Vier Wochen einseitige Welt reichen offenbar nicht.
Natürlich war ich bei Ärzten.
Mehrzahl. Mit Wartezimmergeruch und dieser speziellen Mischung aus Hoffnung und Neonlicht.
„Ich schauen mal rein“, sagte eine junge Ärztin freundlich.
„Rein“ bedeutete in diesem Fall: Ein Schlauch durch beide Nasenlöcher bis in Regionen, von denen ich bisher überzeugt war, sie seien privat.
Ich sage dir: Man lernt sich kennen. Sehr kennen.
Während ich also dalag und versuchte, würdevoll durch den Mund zu atmen, dachte ich:
Das hier ist kein spiritueller Retreat.
Das ist ein Live-Kommentar meines Körpers.
Interessant ist ja: Wenn etwas nicht funktioniert, wird man plötzlich sehr gründlich untersucht.
Niemand interessiert sich für dein Ohr, solange es brav hört.
Aber wehe, es stellt auf stumm.
Das Gute daran?
Ich werde durchleuchtet.
Im wahrsten Sinne.
Und ja – es hat auch etwas Gutes.
Denn wenn man schon dabei ist, genauer hinzuschauen, dann zeigt sich manchmal noch etwas anderes.
Eine weitere Baustelle.
Eine, die nicht in meinen Kopf gehört.
Und ehrlich gesagt: in keinen anderen.
Mehr dazu später.
Was ich gerade lerne, ist etwas sehr Unromantisches:
Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit.
Und Kontrolle ist eine Illusion mit Wartezimmernummer.
Ich kann nicht hören wie früher.
Ich kann nicht planen wie früher.
Aber ich kann entscheiden, wie ich innerlich stehe.
Zwischen Untersuchung drei und vier saß ich da, halb taub, Nase beleidigt, Würde leicht zerknittert –
und plötzlich war da dieser klare Gedanke:
Ich bin nicht mein Befund.
Mein Körper macht gerade Baustellenmanagement.
Aber ich bin mehr als das Protokoll.
Vielleicht ist genau das der stille Kern dieser ganzen Geschichte:
Wenn etwas im Außen verstummt, wird innen sehr laut, was wirklich zählt.
Nicht Drama.
Nicht Panik.
Sondern Klarheit.
Ich drehe mich inzwischen automatisch zur linken Seite, wenn jemand spricht.
Man passt sich an.
Und vielleicht ist das Leben genau das:
Eine ständige kleine Drehbewegung in Richtung dessen, was gerade möglich ist.
Rechts höre ich nichts.
Aber ich höre sehr genau, wie ich mit mir spreche.
Und das ist im Moment wichtiger als jedes Geräusch.
Fortsetzung folgt.
Herzlich,
Andrea